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Traumzeit-Video

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Schon vor zwei Jahren, noch vor meiner ersten Hüft-Operation, habe ich mir diese Linie am Aborigines-Block angeschaut. So sehr mich der Gedanke auch reizte, diesen Boulder erstzubegehen, musste ich mir doch eingestehen, dass dieses Projekt mindestens eine Nummer zu groß ist für mich. Nach der Operation und der anschließenden Reha wurde mir schnell klar, dass sich der Zustand meiner Hüfte durch den Eingriff wesentlich verschlechtert hatte. Viel habe ich mir erhofft, umso ernüchternder war die Realität. Am Anfang kam es gar nicht in Frage, Klettern oder Bouldern zu gehen, später zog ich dann mit meinen Stöcken durch das Bahratal, auf der Suche nach geeigneten hüftschonenden Bouldern. Meine Vorstellung war klar: Nicht zu hoch, kein Mantel, keine hohen Antritte, kein Hook und andere Verrenkungen für das linke Bein und natürlich so schwer, dass ich mich erstmal nicht wieder so schnell auf die Suche nach genau so einem Boulder machen muss. Da kam mir das Projekt am Aborigines-Block wieder in den Sinn. Und tatsächlich: Ich war überrascht, dass ich mich fast schmerzfrei in diesem Boulder bewegen konnte. Na gut, so viel Bewegung war da am Anfang noch gar nicht. Aber ich erfreute mich an den wenigen Zügen die mir möglich waren und fasste neue Motivation. Um der Familie nicht ganz so oft zu fehlen, fasste ich den Entschluss, den Boulder ganz früh am Morgen zu besuchen. So kam es, dass ich jede Woche ein, zwei Mal gegen sechs Uhr morgens mitten in der erwachenden Natur des Bahratals stand. Obwohl am Anfang gar nicht an einen Durchstieg zu glauben war und ich an manchen Tagen keine sichtbaren Fortschritt machte, war jede Minute an diesem Stück Fels so wertvoll für mich. Nicht nur der Boulder, sondern die ganze Szenerie zog mich in ihren Bann: Die ersten Sonnenstrahlen, die unzähligen Vogelrufe mitten in einem absolut ruhigem Wald und nicht zuletzt zwei Mäuse die wohl jedes Mal auf der Suche nach dem Sinn meines suspekten Handelns waren.  
Den nächsten OP-Termin für die verpfuschte Hüfte im Blick, versuchte ich Stück für Stück einem Durchstieg näher zu kommen. Absolut erstaunt hing ich dann bei einem Versuch an den Startgriffen von "Facka" (7B+) doch anstatt den letzten Zug des Projektes auch nur zu versuchen ließ ich überglücklich los. Nun wusste ich: das geht! Aber so leicht wollte es mir dieser Boulder doch nicht machen. Immer wieder fiel ich an diesem Zug. Zum Aufwärmen machte ich "Facka" oft fünf Mal in Folge, aber in den Durchstiegsversuchen hing ich wie ein nasser Sack an der letzten Leiste vor dem rettenden Henkel. Als dann nur noch 10 Tage Zeit bis zum Verstreichen meiner Deadline waren, wurde ich langsam nervös. Und wie so oft kam alles ganz unverhofft. Ein Tag an dem eigentlich viel zu viele andere Sachen zu tun waren als Bouldern. Jakob überzeugte mich und meine kleine Family doch noch schnell mal mit raus zu gehen und am Fels angekommen war jeglicher Stress einfach abgefallen. Absolut malerisch erschien der Block im Abendlicht und nach zwei Versuchen stand ich auf einmal oben drauf. Überglücklich genoss ich den letzten aber auch größten berauschenden Augenblick an diesem Stück Fels und hielt kurz inne. Überglücklich, aber auch ein kleines bisschen traurig um den Verlust meiner Kleinen Parallelwelt im Einklang der Natur. Dieser Traum ist vorbei und nun ist es Zeit für neue Herrausvorderungen.

Text; Christian Stelzner

Das Team, 15.09.2019



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